Burnout ganzer Organisationen

10. Juni 2012 | Kategorie: BurnOut, Management

Nicht nur Menschen können ausbrennen. Auch ganze Organisationssysteme können dem Erschöpfungssyndrom zum Opfer fallen. Indizien für das Ausbrennen ganzer Organisationen sind nach dem Unternehmensberater Gustav Greve vor allem folgende:

  • Die Produktivität sinkt.
  • Das Unternehmen bringt keine Innovationen mehr hervor.
  • Die Mitarbeiter versinken im Tagesgeschäft und pfeifen aus dem letzten Loch.
  • Die Führung beschäftigt sich nur noch mit sich selbst.
  • Die Mitarbeiterfluktuation nimmt zu.
  • Das Management ist von ständigen personellen Wechseln gekennzeichnet.
  • Wichtige Entscheidungen werden aufgeschoben.
  • Der Kunde wird nur noch als notwendiges Übel angesehen.
  • Die Kommunikation versagt völlig.
  • Die Unternehmenskultur ist geprägt von Misstrauen und Missgunst.
  • Die Frage nach dem Sinn einer übertragenen Aufgabe wird nicht mehr gestellt.
  • Die abteilungs- oder bereichsübergreifende Zusammenarbeit wird ständig von der Unternehmensführung thematisiert.
  • Das Vertrauen in die Führung ist nicht mehr vorhanden.
  • Schuldzuweisungen aufgrund nicht eindeutig abgegrenzter Verantwortungsbereiche machen sich breit und „vergiften“ das Arbeitsklima.
  • Allgemeine Resignation macht sich breit („das hilft ja doch nicht“).

Die Aufzählung dieser Indizien ist nicht abschließend und könnte durch eine Reihe weiterer Indizien noch ergänzt werden. Je früher Unternehmen auf diese negativen Unternehmensstressoren achten, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, das drohende Ausbrennen der gesamten Organisation zu vermeiden. Unternehmen vermeiden damit größeren wirtschaftlichen Schaden und das kollektive Ausbrennen seiner Mitarbeiter. Die üblichen Maßnahmen der Organisationsentwicklung reichen an dieser Stelle nicht mehr aus.

Das Buch „Organizational Burnout – Das versteckte Phänomen ausgebrannter Organisationen“ stellt deutlich und zu Recht heraus, dass neben einer guten Kommunikation und vertrauensvollen Führung, die von Mitarbeitern vieler Unternehmen zunehmend als nicht oder kaum vorhanden angeprangert wird, eine aussagekräftige Unternehmensstrategie notwendige Präventionsmaßnahme ist. Auch das Vorhandensein einer von professioneller Ruhe gekennzeichneten Unternehmenskultur sowie reibungsloser und stabiler Prozesse und Organisationsstrukturen werden als eine Art Antidepressivum gegen die Lethargie ausgebrannter  Organisationen richtigerweise hervorgehoben.

Es bleibt abzuwarten, wann betroffene Unternehmensleitungen  „die Scheuklappen“ endlich wegnehmen, um die Probleme ihrer Organisation zu thematisieren und damit ihre Gesunderhaltung sicher zu stellen.

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Kommentare (2)

 

  1. Katja Ziller sagt:

    Ich finde den Burnout-Ansatz für Organisationen wirklich interessant. Bis jetzt ist der Begriff ja eher bei Einzelpersonen gebräuchlich – aber warum sollte man ihn nicht übertragen. Ein ganz spannender Punkt, der hier erwähnt wird, ist das Vorhandensein der professionellen Ruhe. Da sind wir vermutlich an einem ganz zentralen Thema für Organisationen und Menschen. Doch wer sich mit dem Thema Burnout in Unternehmen beschäftigt, der weiß – bevor die Scheuklappen wirklich fallen, dürfte es noch ein langer Weg sein.

    • Michaela Moser sagt:

      Da kann ich Ihnen nur recht geben. Meines Erachtens ist das Burnout-Problem der Organisation mit die Grundlage für den Burnout beim Menschen und beides im wechselseitigen Zusammenhang zu sehen. Leider sind sich viele Organisationen dessen noch gar nicht bewusst und es bedarf noch viel Aufklärungsarbeit!!

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