Rosenstolz – Alles Grau in Grau
08. Oktober 2011 | Kategorie: BurnOut, Karriere
Vor zwei Jahren wurde der Sänger der Gruppe Rosenstolz, Peter Plate, während eines Konzertes von Panikattacken übermannt. Er ließ sich fit spritzen, um das Konzert zu beenden. Am nächsten Morgen brach er weinend am Frühstückstisch zusammen. Diagnose: Burnout. Doch nun sind sie wieder da mit ihrem neuen Album „Wir sind am Leben“. Ein für diesen Hintergrund bezeichnender Titel.
Gerade Burnout-Betroffene, die mit Panikattacken zu kämpfen hatten, beschreiben sie häufig mit dem Gefühl zu sterben. Aber man stirbt nicht, gleichzeitig lebt man aber auch nicht. Leben mit Panikattacken werden für viele zur Qual. Wenn sie vorbei sind, ist man froh „überlebt“ zu haben. Man tut sie als einmaligen Vorfall ab. Doch dann kommen sie öfter. Immer öfter. Viel zu oft. Täglich! Das Herz rast wie verrückt, die Welt dreht sich und Lärm tut körperlich weh. Körperlicher und seelischer Totalausfall. Man versteht die Welt nicht mehr. Wir verlieren die Kontrolle über unseren Körper. Menschenmassen machen Angst. Der Betroffene zieht sich aus dem sozialen Leben zurück. Zu groß ist die Angst vor der Angst. Generalisierte Angststörung heißt häufig die Diagnose.
Nun kommen Panikattacken für manchen gleichsam wie aus heiterem Himmel. Wer aber ehrlich zu sich ist, weiß, dass Panikattacken nur das ausdrücken, was über viele Jahre nicht gelebt wurde: unterdrückte Emotionen. Die Seele hat schon vor dem Vulkanausbruch viele kleine Strohfeuer gelegt, die aber übersehen wurden. Sie macht sich über diese körperliche Reaktion sozusagen endlich „Luft“. Aufgestaute Emotionen müssen Gehör finden und bearbeitet werden. Es ist wichtig, den negativen Hauptgedanken zu ergründen, der für die Panikattacken verantwortlich ist. Hört man sich die Lieder von Rosenstolz aus der Vergangenheit aufmerksam an, hätte man vielleicht auch schon früher erste Anzeichen für viele aufgestaute Emotionen und Peter Plates Burnout wahrnehmen können, die sich in den Songtexten ausdrücken. „Gib mir Sonne“, ein Erfolgshit des deutschen Duos, die Hymne der psychosomatischen Kliniken. Berührend und auch bezeichnend für diese schleichende und teilweise heimtückische Krankheit ist die Zeile: „Gib mir Sonne, verbrenn den Schnee, das Grau muss weg, schenk mir ein bißchen Glück“. Interessanterweise haben Studien ergeben, dass Depressive die Welt wirklich durch einen Grauschleier sehen. Eine verzerrte Wahrnehmung der Realität. Die Arbeitsgruppe um Professor Ludger Tebartz van Elst des Uniklinikums Freiburg bestätigte dies. Mit dem Elektroretinogramm, einem speziellen Detektor zur Untersuchung der Netzhaut, einer Art Augen-EKG, konnten die Freiburger Forscher feststellen, dass Depressive tatsächlich an den häufig beklagten Wahrnehmungsstörungen und Farbverzerrungen leiden. Sie nehmen Schwarz-Weiß-Kontraste wesentlich schlechter war, als gesunde Menschen und sind häufig sehr lichtempfindlich. Im Umkehrschluss konnten die Freiburger Forscher Depressive von Nichtdepressiven Menschen unterscheiden. Ein wichtiger Schritt bei der Diagnosestellung.
Es bleibt abzuwarten und auch zu hoffen, dass die Diagnoseverfahren im Zeichen solcher Untersuchungen noch weiter verbessert werden, um zukünftig die Burnout-Untersuchung bereits präventiv in die Gesundheitsvorsorge aufzunehmen.
Kommentare (2)







Inspirierender Artikel.Ich habe einige tolle Denkanstoesse gekriegt. Warte auf weitere Posts.
Mich hats genau so erwischt und ich kämpfe noch. Meine erste Panikattacke hatte ich im supermarkt danach kam nur noch die hölle quf erden. Hatte aber schon zwei drei jahre müdigkeit und lustlisigkeit und hab nicht drauf geachtet . Also liebe leute achtet auf euren körper bevor es so weit kommt.